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Geschichte der Schützen-Gilde

Die Schützen-Gilde Bad Tennstedt 1839 e.V. hat eine fast zweihundertjährige Geschichte. Besonders erfreulich ist, dass Dokumente von der Gründung und einige Fotos und Texte aus den nachfolgenden Jahren im Original erhalten sind.

 

Der folgende Text ist zum Teil wörtlich den originalen Unterlagen entnommen.

 

"Dieselbe wurde am 3. Juni 1839 im Gasthof zum "Anker" gegründet und zählte gleich von Anfang an 60 Mitglieder. Schützenmajor wurde Bürgermeister Schulz, Hauptmann Senator Jänisch, die Chargierten bestanden aus: 1 Premier Lieutenant, 2 Sekondierlieutenants, 3 Lieutenants,  1 Feldwebel, 1 Fähnrich, 1 Aktuar, 1 Kassenführer, 6 Oberjägern. Seitens der jungen Kompanie wurden zunächst verschiedene Versuche gemacht, mit der damaligen, unter Hauptmann Jünemann stehenden "Bürgerwehr" in kameradschaftliche Verbindung zu treten."

 

Man bot den Offizieren und Chargierten letzterer freien Eintritt als Ehrenmitglieder in die Schützenkompanie an und lud sie wiederholt herzlich zu deren Festlichkeiten ein, doch wurde erst nach mancherlei, zumeist durch die Empfindlichkeit der älteren Bürgerwehr hervorgerufenen Schwierigkeiten das von Anfang an erstrebte freundschaftliche Verhältnis hergestellt.

"Die beiden, unsere Schützenfestlichkeiten noch heute eröffnenden Kanonen, stammen von der Bürgerwehr her."

 

Vom 1. Juni 1839 ab übernimmt die Schützenkompagnie den bisher von den Unteroffizieren der Bürgerwehr versehenen Wachtdienst bei Feuersbrünsten.
Gleich im ersten Jahre ihres Bestehens erhält die Kompagnie das Recht, Uniform zu tragen. Im Garten des Ankerwirts Fischer (längs der Stadtmauer nach dem Pulverturm zu), des späteren Pächters der Schützenbude, wird der Schießstand eingerichtet.

Im September 1839 baut man auf dem heutigen Schützenplatz (dieser noch heute der Stadt gehörige, seit 1840 von der Kompagnie ununterbrochen benutzte Platz war früher Exerzierplatz) eine provisorische Schützenbude, welche im folgenden Jahre durch eine dauernd stehen bleibende ersetzt wird.


Letztere, 46 Fuß lang und 40 Fuß tief kam auf 300 Thaler zu stehen.

 

Die Musik während des Vogelschießens wird nicht durch den Stadtmusikus Dingethal, sondern meist von Erfurter Militärmusikern ausgeführt. Aus verschiedenen Orten (Langensalza, Sömmerda, Berlin zum 100-jährigen Jubiläum der Schützengilde) ergehen Einladungen zur Teilnahme an Schützenfestlichkeiten.

"Die aktiven Mitglieder zahlen anfangs 3 Thaler, die Ehrenmitglieder 2, später 5 Thaler Eintrittsgeld. 1852 läßt die aus 79 Mitgliedern  bestehende Schützenkompanie das gegenwärtige Schützenhaus (von Maurermeister Mascher für 3358 Taler) erbauen und versichert dasselbe bei der Provinzial-Städte-Feuer-Societät.

 

Am 1. Juni 1853 findet die erste Verpachtung des neuen Schützenhauses (wie noch heute auf 6 Jahre) statt, der erste Pächter hieß Geelhaar, ihm folgten: Zimmermann, Ehrlich, Geiling, Nordmann, Bechstedt. Vom Winter 1853 ab finden auf Antrag des Schützenwirts jährlich 5 Abonnementskonzerte im Schützenhaussaale statt. Dieselben wurden anfangs vom Gesangverein und der Kapelle des Stadtmusikers Stumpf ausgeführt; später spielte Erfurter oder Gothaer Militärmusik, gegenwärtig teils Militär, teils die hiesige Stadtkapelle.

 

Am 26. Februar 1854 war der erste Maskenball im Schützenhause. Dem am 2. Mai 1857 ausscheidenden Hauptmann Jünemann folgt Senator Gerber.

Namen der Schützenhauptleute:

Bürgermeister Schulz (Schützenmajor), Senator Jänisch, Bürgermeister Hofmann, Färber Jünemann, Senator Gerber, Bürgermeister Bense, Zimmermeister Hofmann, Rentier Kamm.

 

Nach einem Brande [4. Mai 1857] wird gelegentlich der Reparatur des Schützenhauses vor demselben ein balkonartiger Anbau angebracht. Am 5. Mai 1860 trägt die Kompanie den verstorbenen Magister Fischer zu Grabe, eine Aufgabe, der sie sich gegen Entgelt noch heute unterzieht.

 

Die Kompanie zählt zur Zeit 184 Mitglieder und 21 Gesellschaftsmitglieder. An Stelle des Schießens nach dem Vogel ist seit einigen Jahren das Schießen nach der Scheibe getreten."

 

(Auszüge aus den historischen Unterlagen des Vereins)

 

 

Die letzte große Veranstaltung der Gilde vor dem 2.Weltkrieg war die 100-Jahre-Feier.

Danach kommt das Schützenwesen durch den Krieg im ganzen Land zum Erliegen.

Nach 1945 wurden alle Schützenvereine in Deutschland verboten und in der sowjetischen Besatzungszone auch enteignet.

In der DDR waren alle freien Schützenvereinigungen verboten. Dem Schießsport konnte man nur nachgehen, wenn man Mitglied in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war.

Mit dem Einigungsvertrag vom 31.August, der die Auflösung der DDR und ihren Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland vorsah, bestand theoretisch die Möglichkeit der Rückforderung des enteigneten Besitzes der Gilde. Es ging vor allem um das Land, auf dem sich der Schießplatz und das Schützenhaus befand (auf dem Foto ist eine alte Ansicht des Schützenplatzes in Bad Tennstedt zu sehen).

Jedoch war mit der „Verordnung über die Anmeldung vermögensrechtlicher Ansprüche“ vom 11.07.1990 ausdrücklich festgelegt, dass Rückübertragungen enteigneter Grundstücke nicht für die Enteignungen gelten, die auf Befehl der SMAD (Sowjetische Militäradministration) in der Zeit von 1945 bis 1949 erfolgten.

Bis heute erinnert die Bezeichnung „Schützenplatz“ (heute Standort Rewe) in Bad Tennstedt an die ehemalige Nutzung.

1991 erfolgte in der Gaststätte „Zum Anker“ in Bad Tennstedt die Wiedergründung der Gilde unter dem Namen „Schützen-Gilde Bad Tennstedt 1839 e.V.“.

Durch umfangreiche Eigenleistungen der Mitglieder entstand im Lauf relativ kurzer Zeit ein ansehnlicher und gut ausgestatteter Schießstand. Hier können Vereinsmitglieder und Gastschützen unter besten Bedingungen trainieren.